Für Marta

kerze_rund_solo

„Denn vor Gott sind alle Menschen gleich“ (Römer, 2:11)

 Godlewska, Marta

Marta Godlewska (05.06.1988-15.06.2014)

Marta Godlewska, geboren am 05.06.1988 in Polen ist am 15. Juni 2014 im Elisabeth Krankenhaus in Berlin an den Folgen der „Entmenschlichung“ gestorben.

Menschen werden nicht als „Obdachlose“ geboren, sie kommen als Töchter und Söhne in diese Welt.

Mit diesem Blog möchte ich meine Trauer, mein Entsetzen und meine Hilflosigkeit über den sinnlosen Tod einer 26-Jährigen Frau in einem der reichsten Länder der Welt zum Ausdruck bringen.

Und ich möchte gerne eine Spur legen. Ein Zeichen ihrer Existenz, denn ich habe Marta gesehen. Ich habe sie gekannt. Ich sah ihr Gesicht, ich hörte ihre Stimme, ich sah ihre Tränen und auch manchmal einen Hauch von Freude. Ich sah sie über drei Jahre vor Netto in der Nürnbergerstraße in Berlin Charlottenburg sitzen. Sie berührte mein Leben auf eine zutiefst traurige Art und Weise und jetzt ist sie tot. Sie ist gestorben während wir ihr dabei zusahen und nicht genug taten.

Was uns Menschen ausmacht sind unsere vielen kleinen Geschichten.  Diese kleinen Geschichten sind wie Perlen, die den Lebensweg eines Menschen säumen und auch lange nach seinem Tod in dieser Welt verbleiben. So lange es Menschen gibt, die eine dieser Perlen aufheben und wissen wollen, welche kleine Geschichte darin bewahrt wird, und sich an den Verstorbenen erinnern, lebt dieser in unseren Erinnerungen weiter.

Diese Seite ist der Versuch, diese winzig kleinen Perlen, die Perlenkette Deines Lebens, liebe Marta, aus meiner fernen Sicht auf dein Leben, zu bewahren.

Eine Passantin

Berlin, 30.09.2014

schwarze-schleife

„Man kann nicht hoffen, die Welt zum Besseren zu wenden,

wenn sich der Einzelne nicht zum Besseren wendet.

Dazu sollte jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung

arbeiten und sich dessen bewußt werden, daß er die persönliche Verantwortung

für alles trägt, was in dieser Welt geschieht,

und daß es die direkte Pflicht eines jeden ist,

sich dort nützlich zu machen, wo er sich am nützlichsten machen kann“.

 Marie Curie (Marie Sklodowska, 1867 – 1934)

Die Nacht konnte ich nicht gut schlafen. Marta`s Zustand gab mir keine Ruhe. Ich stand früh auf und Punkt 8.00 Uhr rief ich bei meiner Ärztin an. Ich wollte, dass es unbedingt klappt. Es sollte auf keinen Fall etwas schief laufen. Alles hatte ich mir ganz genau überlegt. Ich würde ein Taxi rufen, sie und ihren Freund reinsetzen, das Taxi bezahlen und ihnen meine Korrespondenz mit dem Krankenhaus und meinen Brief von heute Morgen an die Ärztin   sowie Geld für ihre Fahrt von der Arztpraxis in die Klinik mitgeben.  Ich konnte nicht mitfahren, weil ich meine pflegebedürftige Mutter, die zu Hause auf mich wartete kaum eine halbe Stunde alleine lassen konnte. Doch es kam ganz anders.

Heute Morgen waren wir vor dem Discounter Netto, in der Nürnbergerstraße Ecke Augsburgerstraße für 10.00 Uhr verabredet. Seit nun ca. drei Jahren sitzt sie hier vor Netto mit ihrem schwarzen Rucksack neben sich. Ihr Freund und Beschützer Raphael ist selten weit weg. Nachts schlafen Sie in der Vorhalle der Bank an der Ecke Würzburgerstraße, doch im letzten Winter ging das nicht, da in der Bank gebaut wurde und sie keinen Zugang mehr hatten so harrten sie oftmals in der U-Bahn Unterführung aus. Dabei sind die Nächte im Winter kalt.

Im Winter brachte ich Ihnen heißes Wasser für die Thermosflasche, die ich Ihnen zuvor besorgt hatte und andere Dinge. Ein wahrhaft kleiner Trost gegen die Erbarmungslosigkeit des Winters auf der Straße. Und als ihr Reisepass gestohlen wurde, schrieb ich in der Beratungsstelle in der ich arbeite, einen Brief an das polnische Konsulat, worauf sie, ohne die 160€ Gebühren zahlen zu müssen, doch einen neuen Reisepass erhielt. Ich kann mich an den Nachmittag erinnern, als ich nach Hause kam, da saß sie mit Ihrem Freund Raphael an der Ecke Augsburgerstraße. Als sie mich auf der anderen Straßenseite sah, sprang sie auf und kam auf mich zugerannt mit einem so glücklichen Lachen und meinte: „Neuen Pass. Habe neuen Pass bekommen.“ Und zog ihren neuen Pass aus der Jackentasche, um mir diesen zu zeigen und dann fiel sie mir um den Hals und ich drückte sie und freute mich mit ihr. Es war ein schöner Moment. Es war so ein kleiner Aufwand für mich gewesen, diesen Brief für sie zu schreiben, doch ich weiß, es bedeutete für sie so ungeheuer viel.

Und ich erinnere mich an ihren Besuch bei uns in der Beratungsstelle. Sie waren überpünktlich trotz ihres Alkoholkonsums, was mir Respekt eingeflösst hat. Ich dachte wow, trotz des Alkohols nimmt sie den Termin wahr und steht auch noch überpünktlich vor der Tür. Was würde diese Frau wohl alles zustande bringen, wenn es mehr Unterstützung für sie geben könnte. Dann bat ich sie herein, da wir nur für Frauen tätig sind musste Raphael draußen warten. Sie setzte sich auf den Stuhl, den ich ihr anbot. Sie war total verschmutzt, ihre Hände waren fast schwarz vom Dreck der Straße. Ihre Haare waren dünn. Die Haut war blass und sie hatte kleine Flecken auf der Haut wie Wunden. Ich hatte sie immer auf ca. fünfunddreißig vierzig Jahre geschätzt doch jetzt erfuhr ich wie alt sie tatsächlich war. Marta war erst 25 Jahre jung, das entsetzte mich und gleichzeitig erfüllte es mich mit tiefer Trauer.

Ich erinnere mich an ihre zurückhaltende Art, ich bot ihr Tee und Essen an, sie wollte nur Tee und sie trank diesen mit zittrigen Händen und kleinen Schlucken. Bevor sie ging, gab ich ihr etwas Geld von uns Beraterinnen für die Fahrt zurück und Essen für sie beide und natürlich den Brief für das Konsulat. Sie hatten Beide Tränen in den Augen tiefe Dankbarkeit wurde in ihren Gesichtern sichtbar und als ich sie verabschiedet hatte und wieder ins Büro ging konnte ich meine Tränen nicht länger zurück halten. Sie weinten, weil sie es so ungewöhnlich fanden menschlich und mit Respekt behandelt zu werden und für diesen kleinen Moment ihre Würde wieder bekamen. Und ich weinte, weil ich mich für diese Welt schämte,  Menschen in menschenunwürdigen Verhältnissen zu erleben erfüllt mich persönlich mit tiefer Scham und Hilflosigkeit.

„Lass mich schlafen,

bedecke nicht meine Brust mit Weinen und Seufzen,

sprich nicht voller Kummer von meinem Weggehen,

sondern schließe deine Augen,

und du wirst mich unter euch sehen,

jetzt und immer“.

Khalil Gibran

Ich erinnere mich an unser Gespräch früh morgens in der U-Bahn Augsburgerstraße im Winter. Sie saßen auf der Bank total übermüdet. Als ich fragte wie es ihnen geht lächelten sie beide wie immer. Immer lächelten sie und sagten, es ginge ihnen ganz gut. Dann erzählte Raphael, dass in der Bank nachts immer zwei Mal Kontrolle vorbei käme. Einer von den Männern sei nett,  er würde sie weiter schlafen lassen, doch der andere würde sie immer rausschmeißen nachts um drei Uhr in die Kälte. Letzte Nacht war der unfreundliche Sicherheitsmann dagewesen, das war klar. Ich versuchte mein Bedauern über dieses Verhalten auszudrücken und fuhr zur Arbeit. Sie blieben in der U-Bahn sitzen, den Blicken der Menschen ausgesetzt, die das Glück hatten auf der Sonnenseite des Lebens geboren worden zu sein.

Im Winter waren sie auf einmal verschwunden. In den nächsten Tagen bemerkte ich in der U-Bahn Augsburgerstraße jeden Morgen die Kontrolleure, die da herum liefen und andere Gestrandete dieser Gesellschaft aus der U-Bahn Rausschmissen weil ohne eine Fahrkarte darf sich niemand in den U-Bahn Unterführungen aufhalten.

Kurz bevor ich sie das letzte Mal sah, saß sie auf der Straße vor Netto, nicht mehr an der Wand sondern etwas weiter weg, dem Wetter völlig ausgesetzt. Als ich sie fragte, was passiert ist, sagte sie, die Angestellten im Nettoladen hätten ihr verboten an der Tür zu sitzen. Als ich drinnen die Verkäufer fragte, hieß es, sie habe geklaut und habe jetzt Hausverbot. Und ich fragte mich, was würde ich machen, wenn ich  großen Hunger hätte und kein Geld und keine Aussicht an Geld ranzukommen, würde ich dann klauen können. Die Antwort ist eindeutig. – Ja. –  Bei Hunger hört einfach alles auf.

Ein paar Tage später zeigte sie mir zum ersten Mal ihr offenes Bein, es sah schlimm aus und inzwischen waren ihre Augen gelber als gelb trotzdem saß sie jeden Tag vor dem Laden und wartete, dass man ihr ein paar Cent in die Hand drückte, damit sie überleben konnte auf der Straße.

„Die Blätter fallen. Fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

Aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andere an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

Unendlich sanft in seinen Händen hält“.

Rainer Maria Rilke

Und jetzt waren wir vor Netto für 10.00 Uhr verabredet. Letzte Woche hatte ich eine Klinik angeschrieben und gefragt, ob sie sie behandeln und aufnehmen würden. Es hieß, wenn sie von einem Arzt zuvor untersucht und eingewiesen werden würde, dann könne sie auch in der Klinik behandelt werden.  Dann hatte ich meine Ärztin angeschrieben und gefragt, ob sie eine solche Einweisung schreiben würde und jetzt will ich sie zu meiner Ärztin bringen, die ohne zögern ja gesagt hat,  damit sie endlich behandelt werden kann bevor sie auf der Straße drauf geht.

Ich hatte Marta am Samstag gesehen, ihre Augen waren total gelb und man brauchte kein Arzt zu sein, um zu sehen, wie dreckig es ihr ging. Ich erzählte ihr von meinen Bemühungen mit der Klinik und meiner Ärztin und dass sie am Montag um 10.00 Uhr vor Netto auf mich warten solle. Und ich gab ihr so viel Geld, dass sie für den Tag genug hatte und meinte zu ihr, „geh bitte runter in die U-Bahn und ruhe dich etwas aus“. Sie lächelte mich nur an wie immer wenn auch mit tief traurigen und zutiefst verzweifelten Augen.

Meine Frage, ob ich ihr einen Krankenwagen rufen solle, verneinte sie. Ich hatte hinterher gedacht, sie wollte wahrscheinlich nicht, dass ich einen Krankenwagen hole, weil sie gerade alleine war. Weil sie erzählte, dass Raphael unterwegs sei, um leere  Flaschen zu sammeln und sie wollte wohl nicht einfach verschwinden ohne dass er weiß, wo sie hingegangen ist.

Am Montagmorgen stand ich dann wie verabredet vor Netto, doch die Beiden waren nicht da. Niemand war da. In der Tüte, in der Hand, hielt ich Klamotten meiner Tochter, die ihr zu klein geworden waren und meine Idee war es, diese Marta in die Hand zu drücken, da sie doch in die Klinik sollte und saubere Sachen brauchte. Vielleicht warten sie unten in der U-Bahn, also lief ich schnell die Treppen nach unten, doch ich konnte die Beiden nirgends entdecken, auch nicht in der Unterführung.

Etwas enttäuscht kam ich wieder rauf und sah Marta´s Freund, Raphael etwas abseits stehen. Schon aus dieser Ferne konnte ich sehen, dass etwas nicht stimmte. Als ich näher kam, sah ich sein gequältes Gesicht und er lächelte mich nicht an, wie sonst immer, wenn wir uns auf der Straße begegneten. So fragte ich ihn, was los ist:

„Nun ist es Zeit wegzugehen:

für mich, um zu sterben,

für euch, um zu leben.

Wer von uns dem Besseren entgegengeht,

ist jedem verborgen“
Sokrates

„Was ist passiert, wo ist Marta?“

Seine Augen waren wie leer, als würde er für sein Leben gern weinen, aber er konnte es nicht. Die Schultern waren eingesunken. Seine Sachen waren schmutzig an den Füßen trug er blaue Kunststoff Sandaletten und er schaute mich kaum an, sondern schaute vor sich auf den Boden, dabei  wehten ihm die schwarzen Locken ins Gesicht. Er tat sich schwer mit dem sprechen, als wolle er es nicht aussprechen um zu verhindern, dass durch die Worte, die er in diese Welt entlässt, diese Worte eine Realität schaffen, gegen die er nicht mehr ankommen könnte.

So fragte ich noch mal nach.

Was ist los? Raphael, wo ist Marta?

Sie ist tot“, flüsterte er dann mit zittriger Stimme und jetzt schossen ihm und mir zugleich die Tränen in die Augen. Ich hielt meine Hand vor den Mund, damit hatte ich nicht gerechnet.

Und er sprach jetzt weiter, leise und gequält. Gestern habe ich angerufen, sie sind gekommen und haben nach ihr geschaut, Puls und Fieber gemessen und haben Marta mitgenommen. Nach zwei Stunden haben sie sie wieder gehen lassen, auf die Straße,  sagten, alles wäre gut. Nichts war gut.

Doch gestern Nacht ging es Marta nicht gut, ich habe noch mal angerufen. Marta war tot, sie haben sie nach Minuten reanimiert. Jetzt weiß ich nicht, was ist. Ich gehe gleich ins Krankenhaus zu ihr.

Nachdem ersten Schock, freute ich mich jetzt darüber, dass sie am Leben war. Sie lebt, doch sobald sie wieder stehen kann, wird sie wieder aus der Klinik entlassen werden, das weiß er und ich weiß es auch. So sind die Regeln. Ohne Geld, ohne Versicherung gibt es in einem der reichsten Länder der Welt keine wirkliche Versorgung sondern lediglich eine erste Notbehandlung in der Klinik. Das ist unser Gesetz.

Marta war eine obdachlose junge Frau aus Polen in Berlin. Sie starb 10 Tage nach ihrem  26-igsten Geburtstag . Alles begann an dem Tag ihrer Abiturprüfung, als man sie aus der Schule holte und sie erfuhr, dass ihre Mutter plötzlich gestorben war. Der Tag X in ihrem Leben. Danach sollte nie wieder etwas so werden wie es einmal war. Somit begann für Marta eine schmerzvolle Odyssee, die jetzt im Elisabeth Krankenhaus in Berlin ein trauriges Ende fand.

 „Es schmerzt mehr,

wenn niemand von deinem Schmerz weiß“.

Polnisches Sprichwort

 

Als Krone der Unmenschlichkeit hat das Krankenhaus ihrem Freund Raphael, der ebenfalls auf der Straße lebt bis heute nicht gesagt, wo sie verblieben ist. Ob es ein Grab gibt und wenn ja, wo dieses ist, damit er sich von seiner langjährigen Freundin und Lebensgefährtin verabschieden kann. Als ich ihn nun vor zwei Tagen auf der Straße traf erzählte er mir das alles unter Tränen.

Liebe Marta,

ich möchte mich zutiefst bei Dir bedanken. Du gabst mir die Chance, mich an mein Menschsein zu erinnern und gabst mir die Ehre, dir helfen zu dürfen, gabst mir einen Anstoß über Sein und Sinn in der Welt nachzudenken. Du hast mir einen Spiegel vorgehalten, der mir hilft, mich darin zu erkennen um herauszufinden, wer und was ich sein will in dieser Welt.  Ich habe mich in Dir gesehen und Dich in mir.

Liebe Marta, Du lebst in uns allen weiter bis in alle Ewigkeit, daran glaube ich fest.

Ruhe in Frieden.

In Liebe

Serpil

  kerze_rund_solo 

„Ich bin von euch gegangen,

nur für einen Augenblick.

Wenn ihr dahin kommt, wo ich bin,

werdet ihr euch fragen,

warum ihr geweint habt“.

Laotse 

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16 Gedanken zu “Für Marta

  1. Ich habe Marta in der Berataungstelle, bei der ich arbeite, kennengelert. Und vor ein paar Minuten habe ich erfahren, dass sie tod ist…..
    Ich weiss nicht, wie ich meine Gefühle zum Ausdruck bringen kann…
    Marta war ein Mensch, die trotz ihres harten Schicksals es geschafft hat, ihren Stoz und ihre Würde zu bewahren. Ich bin voller Trauer, Wut und Scham…
    Marta ist tod,.Sie war 25…Marta ist tod……..

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  2. Ich bin bewegt und betroffen. Und danke Dir sehr, das Du diesen Blog zum Gedenken, und zur Mahnung und Sensibilisierung erstellt hast.
    Ganz spontan habe ich den Wunsch, für Marta zu singen und zum Trost von Raphael.
    Nun lese ich, das er gar nicht weiß, wo sie begraben ist. Könnt Ihr von der Beratungsstelle ihm helfen, das heraus zu finden? Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß öffentlichen Stellen immer mehr Auskunft gegeben wird, als Betroffenen, zumal, wenn sie dann noch obdachlos sind.
    Und meine 2.Idee,bei Netto eine Kerze hinzustellen, mit Foto. Einfach um eine Form des Gedenkens zu finden.
    Für Marta:
    Noyana, noyana, noyana, noyana,
    Nitini, noyana , noyana pezulu.

    Wir sind auf dem Weg zum Paradies, Gospel aus Südafrika, Zulu.

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  3. Ich habe Marta nicht gekannt aber mich berührt der Bericht von Serpil sehr und ich wünsche Raphael ganz viel Kraft um über den Tod seiner lieben Freundin hinwegzukommen und dass er es schafft, sein eigenes Leben in eine andere Bahn zu lenken, weg von der Straße, rein in ein hoffnungsvolleres Leben, mit hoffentlich viel Unterstützung von außen.

    Obdachlosigkeit ist ein trauriges schweres Schicksal. Erschüttend ist, dass immer mehr junge Menschen auf der Straße landen und immer häufiger auch Rentner wohnungslos werden, die sich ihre Miete nicht mehr leisten können. Eines darf man nie vergessen. Dieses Schicksal kann jeden treffen.

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  4. Ich wohne nur 500 meter entfernt und mein und Marta´s Weg haben sich dennoch nie gekreuzt. Friede ihrer Seele. Ich werde für Marta eine Rose hinterlegen.
    Auf meinen Wegen zwischen dem Wittenbergplatz und der VW Bibliothek sehe ich durchschnittlich weitere 5 Menschen in der gleichen Situation. In ihrem Gedenken wird sich hier die Gelegenheit zur Hilfe finden.
    Leben kann schwer und Drogen einfach nur perfide und mörderisch sein.
    Serpil, danke für diese würdevolle Trauerseite zum Abschluß eines schweren Lebens.

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  5. Liebe Marta, auch ich habe Dich nicht persönlich gekannt und dennoch bin ich zu tiefst berührt von Deiner Geschichte, die dank Serpil mich und noch viele andere erreicht hat und auch weiterhin erreichen wird. Denn Du lebst in Menschen wie uns weiter. Auch ich bin erschrocken und wütend zugleich. Wie kann das sein? Wie kann das mitten in Berlin passieren? Mir fehlen die Worte! Es ist ein Gefühl der Ohnmacht, zugleich fühle ich mich schuldig. Ich bedanke mich bei Serpil und bitte Dich, Marta um Entschuldigung. Bitte verzeih uns, dass wir Dich nicht gehört,gesehen und gefühlt haben…

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  6. Ja, Martha. Auch ich kannte sie. Jetzt ist also schon wieder ein Mensch auf der Strasse in unserer Stadt gestorben. Das erste Mal habe ich es 1999 erlebt. Das Mädchen, das mich damals im Dönerladen in meinem Kiez in Neukölln angesprochen hat war 15 Jahre alt, ich 23. Sie war heroinabhängig und bat mich um Hilfe, ausgerechnet mich Chaosprinzessin auf dem zweiten Bildungsweg in diesem Laden. Ich habe sie damals mit nachhause genommen, mit ihr und ihrem Freund geredet, gekocht, gegessen. Ich habe sie zu meinem Arzt gebracht und zu einer Beratungsstelle. Selbst auf der Kurfürstenstrasse auf dem Drogenstrich habe ich sie besucht und zu beschützen versucht.
    Eines Tages ging es ihr sehr schlecht, ein offenes Bein, Fieber. Ich habe alles alarmiert, sie überall gesucht, den Bus des Drogennotdienstes um Hilfe gebeten. Dann traf ich endlich auf der Strasse ihren Freund, der inzwischen auch auf H war. Sie war in der Nacht gestorben, gerade 18 Jahre alt.
    Heute lebe und arbeite ich in Charlottenburg, Sozialarbeit, mit obdachlosen Menschen. Mein Sohn ist 13 Jahre alt. Ich kannte Martha nicht gut, aber ich habe sie auf dem Foto sofort erkannt. Jetzt ist sie tot. Wieder eine junge Frau, die wir mitten unter uns einfach sterben lassen haben.
    Danke, dass Du diesen Blog geschrieben hast, Serpil.

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  7. Ich bin sehr betroffen, aber auch froh das ich darüber erfahren kann.
    Warum hat sie niemand zur Berliner Stadtmission geschickt? Bitte sagt dem Rafael, er kann ab 1.11. in der Notübernachtung Hilfe und Aufenthalt finden. Wo sind unsere christlichen Brüder und Schwestern, die ja wohl mit dem Glauben ermutigt und gestärkt sind diesen Schicksalen entgegen zu treten und sicher eine Lösung zu finden.
    Ich bete für Martha und ihren Freund.
    Möge unser Herr Got uns alle wach rütteln und uns offene Augen und ein offenes Herz schenken, um zu sehen und zu helfen!
    Danke für diesen Block!!!!

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  8. Ihr Bild kommt mir bekannt vor, vielleicht war sie einmal bei uns in der Übernachtung. Vielleicht habe ich auch nicht sie, sondern nur ihre Lage erkannt, weil sie eine ist, von vielen, denen auf deutschen Straßen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.
    Es ist traurig, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft Menschen sterben, an Mangelernährung, Kälte, Krankheit. Martas Schicksal hat mich sehr berührt. Es stellt unserer Gesellschaft an ein schlechtes Zeugnis aus, ist aber auch über seinen symbolischen Charakter hinaus furchtbar. Furchtbar für eine junge Frau, die ihr Leben nicht leben durfte.
    Danke für diesen Blog.

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  9. Ihr Lieben,
    es tut mir sehr, sehr leid, daß Ihr dieses Leid in unserer reichen Gesellschaft erleben musstet.
    Es gibt bestimmt ganz viel oder ganz wenig dazu zu sagen.
    Ich möchte, daß ihr wisst, auch in dieser schnellen Zeit nicht alleine zu sein. Menschen leben auf dieser Welt nur für eine begrenzte Zeit. Im christlichen Glauben wissen wir, daß wir nicht verloren sind. Martha ist bestimmt nicht verloren, sondern in Ruhe und Frieden geborgen. Da bin ich mir total sicher. Aber Ihr Trauernden seid einsam und traurig.
    Ich verspreche euch, daß ich im Gebet an euch und Martha denken werde.
    Der Tagesspruch für den 15. Juni 2014 war: „Unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.“ 2. Korinther 1,7
    Alles Gute und viel Kraft.

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  10. Ja, Marta, wenn ich das hier so lese, dann scheint mir, dass der Tod eine Erlösung war, jetzt hast du es geschafft, das Leiden ist vorbei und ich bin nur nach den paar Zeilen hier, auch erleichtert, dass es ein Ende hat. So ein Leben ist nicht lebenswert und du hast recht damit getan, auf das Ende hin zu wirken, eine andere Form wäre katholisch sozialisiert wohl auch nicht möglich gewesen. Du wirst lachen über all die, die nun trauern, dir aber nicht wirklich helfen konnten und vielleicht erinnerst du dich positiv an einige, die sich bemühten, aber dazu sind immer zwei nötig.

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  11. Hallo Marta, dank Serpil habe ich von dir erfahren. Wie traurig, dass wir alle als Gesellschaft dich haben allein gelassen und deinen Freund. Ich werde für dich beten und hoffe das Raphael Hilfe und Unterstützung bekommt. Ruhe in Frieden.

    Roma

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  12. Das einzig Wichtige im Leben
    sind die Spuren von Liebe,
    die wir hinterlassen,
    wenn wir weggehen.

    Albert Schweitzer

    Liebe Marta,
    das ist Dir gelungen, Du hast Spuren der Liebe gelegt.

    Lieber Raphael,
    auch Dir ist dies gelungen und ich hoffe, Du darfst noch viele weitere Spuren legen.

    Herzliche Grüße

    Daniela

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  13. Pingback: Zweidrittelwahrheit: Depression - A Trail's Pinion

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